Bei einem Schock denken viele fälschlicherweise zunächst an einen mehr oder weniger kleinen Schrecken. Viel mehr handelt es sich aber um eine lebensbedrohliche Kreislaufbeeinträchtigung, die bei vielen Notfällen auftreten kann.
Was ist ein Schock und wie kommt es dazu? Die Auslöser für einen Schock sind mannigfaltig. So können beispielsweise Flüssigkeitsverlust, Hitzschlag, Verbrennungen, allergische Reaktionen, plötzliche Abkühlung, Entzündungen, Vergiftungen und Herzfehler einen Schock auslösen. Im Wesentlichen ist mindestens eine der Komponenten Herz, Nervensystem, Blut und Gefäße (Adern) beteiligt. Wird auf sie eingewirkt (z.B. starker Blutverlust oder Vergiftung), kommt es im Gewebe zu einem Defizit zwischen Sauerstoffangebot und -bedarf. Verlauf Am Beispiel eines Volumenmangelschocks, der in Folge von Flüssigkeitsverlust (z.B. Blutungen) entstehen kann, lässt sich gut der Verlauf eines Schocks darstellen. Zunächst versucht der Organismus des Hundes den Schaden auszugleichen. Er wir versuchen, mit der geringeren Menge Blut zumindest die primär lebenswichtigen Organe zu versorgen (Herz, Lunge und Gehirn). Dazu „klemmt“ er weniger wichtige Körperteile (z.B. Beine, Ohren, Nieren) weitestgehend von der Blutversorgung ab, in dem er die Gefäße eng stellt. Gleichzeitig erhöhen sich der Herzschlag und die Atemfrequenz. Diese Schutzreaktion des Organismus hält nur kurzfristig weiteren Schaden vom Hund fern. Die mit Blut unterversorgten Organe leiden unter dem Sauerstoffmangel. Es entstehen biochemische Reaktionen, die zu weiteren Flüssigkeitsverlusten führen. Darüber hinaus können Gefäßverschlüsse durch verklumpendes Blut (Thrombosen) entstehen. Im weiteren Verlauf versagen die Nieren, was eine zunehmende Anreicherung von schädlichen Stoffwechselabbauprodukten im Körper nach sich zieht. Im fortgeschritten Stadium eines Schocks ist der Hundeorganismus nicht mehr in der Lage die Engstellung der Gefäße aufrecht zu halten. Nun „versackt“ das Blut im Gefäßsystem - Der Blutdruck fällt unter das lebensnotwendige Maß. Letztendlich stirbt der Hund an einem Multiorganversagen, wenn nicht eingegriffen wird. Symptome Neben der schon erwähnten Steigerung der Herz- und Atemfrequenz gibt es weitere Symptome, die ein Schock mit sich bringt: Blasse oder bläuliche Schleimhäute (z.B. Zunge oder Lefzen) verlangsamte Füllung der Gefäße: Drücken Sie mit einem Finger auf das Zahnfleisch oder die Lefzen. Die Druckstelle wird weiß. Bei einem Schock dauert es über zwei Sekunden bis sich die Druckstelle wieder (blass-)rosa färbt Zittern / Frieren ungewöhnliches Verhalten (z.B. Ihr Hund greift Sie an, ist verstört, flüchtet, ist orientierungslos) Körper fühlt sich kalt an Maßnahmen Das oberste Gebot für den Ersthelfer lautet: Stress für den Hund vermeiden. Bewegen Sie sich ruhig und reden Sie sanft mit dem Tier. Bitte denken Sie an Ihre eigne Sicherheit, da der Hund unberechenbar ist. Zunächst gilt es die Schockursache so weit wie möglich zu beseitigen. Dazu zählt beispielsweise Blutungen stillen oder weitere Giftaufnahme verhindern. Hat der Hund Atemnot, so belassen Sie ihn in der Haltung, die er wählt. Ansonsten können Sie versuchen, den Vierbeiner auf die Seite zu legen. Ideal ist es, wenn Sie ihn hinten erhöht lagern können, in dem Sie eine Decke oder Jacke unter die hintere Körperhälfte schieben. Diese so genannte Schocklage dürfen Sie jedoch nicht anwenden, wenn Sie Verletzungen in der vorderen Körperhälfte entdecken oder vermuten. Verhindern Sie, dass das Tier weiter Wärme verliert. Das können Sie erreichen, in dem Sie den Hund in eine Decke oder Jacke wickeln. Auch die Rettungsdecke aus dem Kfz-Verbandkasten kann zum Einsatz kommen (silberne Seite nach unten). Allerdings raschelt das Material laut. Für manche Hunde bedeutet das zusätzlichen Stress. Stellen Sie fest, dass Ihr Hund die Rettungsdecke als unangenehm empfindet, verzichten Sie auf den Einsatz. Auf keinen Fall dürfen Sie aktiv Wärme zuführen (z.B. durch Heizkissen oder Wärmflaschen). Dieses würde zu einer Weitung der Gefäße führen. Bitte stellen Sie Ihren Notfallpatienten umgehen einem Tierarzt vor. Dabei ist es wichtig, dass Sie unbedingt vorher anrufen. |